Halloween ist vorbei, doch die Lust auf Thriller, True Crime oder Dark Romance ist das ganze Jahr über präsent. Aber weshalb suchen wir uns freiwillig gruselige Geschichten aus? Warum sind Dark Romance Romane so beliebt wie noch nie? Wieso lesen wir in unserer Freizeit Bücher, die mit Triggerwarnungen versehen sind?
Das Phänomen, welches dahinter steckt, nennt sich Angstlust. Hierbei werden Angst und Lust gleichzeitig empfunden und miteinander verschmolzen. Es beschreibt das eigentümliche Vergnügen, welches entsteht, wenn man sich freiwillig einer bedrohlichen Situation aussetzt, mit der Hoffnung und dem Bewusstsein, dass sich diese Gefahr erfolgreich überwinden lässt. Das spannende Gefühl an der Grenze zwischen Gefahr und Sicherheit erzeugt Adrenalin und Nervenkitzel – gefolgt von Glücksgefühlen, wenn die Gefahr gebannt wurde. Düstere, gefährliche Geschichten erlauben es uns, bedrohlichen Themen und Ängsten kontrolliert zu begegnen und sie in einem geschützten Rahmen, abseits der Realität, zu erleben – denn wir können das Buch jederzeit zuklappen.
Düsteres fasziniert, weil es uns erlaubt, Themen und Ängste gefahrlos zu ergründen. Angstlust kann positive Effekte auf Resilienz und Stressbewältigung haben. Studien zeigen, dass Menschen, die sich gezielt mit angstauslösenden, aber ungefährlichen Reizen wie Horrorfilmen oder gruseligen Geschichten auseinandersetzen, in realen Stresssituationen widerstandsfähiger (resilienter) sind. Auch die Emotionsregulation profitiert von der Auseinandersetzung mit negativen Themen. Indem Menschen in einem geschützten Rahmen negative Gefühle erleben und verarbeiten, verbessern sie ihre Fähigkeit, auch in echten Herausforderungen ruhig und lösungsorientiert zu bleiben.
Ein weiterer Antrieb für die Faszination an düsteren Stoffen ist das Spiel mit Tabus. Gesellschaftlich verbotene oder gefährliche Themen können in Geschichten gefahrlos ausgelotet werden. In Genres wie Dark Romance beispielsweise werden Macht, Leidenschaft und Kontrolle erkundet – Themen, die im realen Leben oft mit Angst und Scham besetzt sind. Die Auseinandersetzung mit solchen Inhalten kann bestehende Ängste abbauen, gleichzeitig aber auch emotionale Entladung und Spannung bieten.
Düstere Geschichten erfüllen also gleich mehrere psychologische Bedürfnisse: Sie trainieren unser Gefahrenbewusstsein, befriedigen unsere Neugier auf das Unbekannte und bieten einen sicheren Raum für Grenzerfahrungen.
